Sie sind nicht angemeldet.

Notvermittlungen Yorkie-Hündin


Yorkie-Hündin suchet ein neues Zuhause
weiteres hier: Yorkie-Hündin >

Rüde suchet ein neues Zuhause.


Kastrierter Rüde suchet ein neues Zuhause
weiteres hier: Rüde >

Probandensuche für Studien — Forschungen zum Thema „Autismus beim Hund"


Es werden Hunde aller Rassen gesucht
weiteres hier: Probandensuche >

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Chihuahuaforum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Oskar

Forenmagier

  • »Oskar« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 188

Registrierungsdatum: 5. November 2008

Anzahl Hunde: 4

  • Nachricht senden

1

Sonntag, 28. Juni 2015, 15:05

Chaos in der Kommunikation?

Hallo Chifreunde,
in der Kommunikation ist es unabdingbar das Sender und Empfänger das Gleiche verstehen.

Ein Beispiel:
Klein Fritzchen bekommt zu seinem Geburtstag viel Geld geschenkt.
Er weiß aber noch nicht was er mit all dem Geld anfangen soll.
Also fragt er seine Onkel: Der sagt ihm, lege das Geld doch auf die Bank bis du etwas davon benötigst.
Auf der Bank vermehrt sich auch dein Geld.
Gesagt, getan.
Fritzchen geht also in den Stadtpark, und legt das Geld auf eine Bank in einem schönen Hain.
Nach 2 Wochen möchte er sich einen Fußball kaufen.
Als er aber zu der (Park)Bank kommt hat sich sein Geld nicht vermehrt.
Es war viel schlimmer. All sein Geld war verschwunden.

Diese kleine Geschichte zeigt uns wie wichtig es ist Begriffe zu systematisieren und in ihrem Kontext zu betrachten.

Hätte Klein Fritzchen gewusst das es für den Begriff "Bank" zwei Bedeutungen gibt, Sitzgelegenheit und Geldinstitut, so hätte er sein Geld bestimmt nicht auf eine Parkbank gelegt.

Wie ist es nun mit den Kommunikationssignalen beim Hund?

Man kann alle Arten von Kommunikationssignalen unter einem Begriff zusammenfassen.

Ist das aber hilfreich für die Interpretation der Signale?
Die Kommunikationssignale müssen immer in dem Kontext, welche Situation war gegeben, gesehen werden.

Verhaltensforscher wie, Dr. Feddersen-Petersen, Dr. Gansloßer, Dr. Ziemen, Dr. Berkoff, Bloch usw. haben festgestellt, dass bestimmte K-Signale nur in bestimmten Situationen gezeigt werden.

Wichtig bei der Erforschung ist die Erstellung eines Ethogramms.
Hier wird, ohne Wertung, beschrieben wie sich ein Tier verhält.
Was lief vorher ab, was nachher.


Zitat

Ein Ethogramm ist das Inventar des beobachtbaren Verhaltens einer Art oder Haustierform oder einer Rasse.
Ethogrammelemente beschreiben und definieren regelmäßig vorkommende und abgrenzbare Formeinheiten des Verhaltensflusses. Sie enthalten keine Interpretation. Das Gesamtethogramm hat keine Lücken, es beschreibt den gesamten Verhaltensfluss.
Anforderungen an ein Ethogramm:
Vollständigkeit, Eindeutigkeit, Reihenfolge von Verhalten erfassend, mehrere Niveaus, Objekt-, Raum-, Partner- und Zeitbezug, maximale Auslösbarkeit.




Dr. Feddersen-Petersen in Ausdrucksverhalten beim Hund (Seite 149)
Erst nach einer großen Anzahl von Beobachtungen werden diese ausgewertet.

Dabei zeigte sich, dass bestimmte K-Signale nur in bestimmten Situationen gezeigt werden.
Nun brachte man die Situationen in ein Schema; welche K-Signale werde wann gezeigt.

Verhaltensbiologisch unterteilt man die Kommunikationssignale in 5 verschiedene Gruppen.

1a) Abbruchsignale als Drohsignale
1b) Abbruchsignale körperlich betont
2) Vortäuschungssignale (Bluffen) inkl. Übersprunghandlungen
3) Versöhnungssignale
4) Beruhigungssignale
5) Unterwürfigkeits- / Beschwichtigungssignale

Diese Signale stehen immer in einem Verhaltensökologischen Zusammenhang.

Einige Signale werden auch als soziopositives Verhalten gezeigt.
Z.B. das Versöhnungssignal Schnautzenzärtlichkeit.
Als Versöhnungssignal wird es nach einem gestörten Verhältnis von dem "Oberen" gezeigt.
Bei soziopositivem Verhalten aber auch von dem "Unteren".

Für uns als Hundehalter ist es wichtig zu wissen wann und in welcher Situation die K-Signale gezeigt werden.

Hunde müssen einen Großteil dieser Signale als Welpe lernen.
Es ist deshalb so wichtig, dass die Welpen möglichst lange im Rudel verbleiben.
Die Prägung auf den Menschen muss ebenfalls im Welpenalter erfolgen, hier sind die Züchter besonders gefordert.

Es ist auch nicht Richtig, wie so oft behauptet wird, dass T- Rugaas Ende der 80er Jahre die Kommunikationssignale beim "Hund" entdeckt hat.

Schon Carles Darwin beschrieb 1877 in seinem Werk "Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei
dem Menschen und den Thieren" einige Ausdrucksverhalten des Hundes.

Weitere Forscher auf diesem Gebiet waren/sind Konrad Lorenz, Eibel-Eibelsfeld, Ziemen, Heere, Tinbergen Feddersen-Petersen, Bloch um nur einige aufzuzählen.

Das Buch "Calming Signals" von T. Rugaas ist nur insowiet empfehlenswert, weil man einen Überblick über die Kommunikationssignale bekommt.
Die Interpretation ist aber oft mehr als zweifelhaft.
Einige beschriebene Signale sind keine Beschwichtigungssignale; z.B Urinieren, Schnüffeln und Gähnen (siehe Dr. Fedderesen-Petersen und Mira Meyer).

Frau Dr. Feddersen-Petersen schreibt dazu in dem Buch Ausdrucksverhalten beim Hund:



Zitat

Wie bislang bereits deutlich wurde, sollte jede Verhaltensweise eines Hundes im jeweiligen situativen Kontext gesehen werden, man kann sie nicht grundsätzlich verallgemeinernd funktionell benennen, zudem benötigt man systematisch durchgeführte Studien die verifizierbar sind, deren Ergebnisse auch von anderen Personen bestätigt werden.

Leider hat Frau Rugaas, die ja an Tausenden (?) von Hunden "geforscht" hat, bis heute keine Aufzeichnungen der Forschung (Ethogramme und deren Auswertung) vorgelegt.

Das große Verdienst von T. Rugaas war, dass nun endlich mehr an der Kommunikation von Hunden geforscht wird.

Calming Signals bedeutet Beruhigungssignale, es wurde falsch ins Deutsche übersetzt mit Beschwichtigungssignale (to placato).


Zum Abschluss ein Zitat von Dr. Feddersen-Petersen aus dem Buch Hundpsychologie:

Zitat

Es ist Kurzsichtig und unreflektiert, ständig den "neusten Stand der Wissenschaft" für sich einzufordern, wenn nie wissenschaftlich gearbeitet wurde und verhaltensbiologisches Denken in seinen Wandlungen nicht einmal ansatzweise nachvollzogen werden kann.
Scharfe Töne?
Nein die Hoffnung, ein jeder möge sich und sein Tun stärker hinterfragen, bevor er es als "nonplusultra" unter das Volk bringt.
.....
Verhaltensbiologische Grundlagen sind unumgänglich für den Zugang zum Verständnis tierlichen Verhaltens....
Gruß Oskar
Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ein Ozean. (Isaac Newton)
Jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung, aber niemand hat ein Recht auf eigene Tatsachen.
Viele Menschen wissen von ihren Hunden nicht viel mehr, als was sie gekostet haben. (Horst Stern)

Verwendete Tags

Kommunikation